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PV-Degradation 2026: Wie viel Leistung verlieren Solarmodule wirklich?
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Jedes Solarmodul verliert mit den Jahren an Leistung - das ist Physik und kein Mangel. Die spannende Frage ist nur: Wie viel genau, und wie schnell? Wer eine Photovoltaikanlage 25 Jahre oder länger betreibt, sollte die Photovoltaik Degradation realistisch einplanen, statt sich von Hochglanz-Datenblättern blenden zu lassen. In diesem Artikel zeigen wir, welche Degradationsraten 2026 tatsächlich üblich sind, woher der Leistungsverlust kommt und wie Sie ihn über die Lebensdauer Ihrer Anlage gering halten.

Was bedeutet Degradation bei Solarmodulen?
Degradation beschreibt den schleichenden Verlust der elektrischen Nennleistung eines Solarmoduls über die Zeit. Ein Modul, das im Werk mit 450 Watt vermessen wurde, liefert nach einigen Jahren nicht mehr exakt diesen Wert - die Solarmodul Degradation reduziert die Spitzenleistung Jahr für Jahr ein Stück weit. Gemessen wird das in Prozent pro Jahr, der sogenannten Modul Degradationsrate.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Phasen: Im ersten Betriebsjahr fällt die Leistung einmalig stärker ab (Anfangsdegradation), danach verläuft der Verlust deutlich flacher und annähernd linear. Genau diese Alterung der Solarmodule ist der Grund, warum Hersteller getrennte Garantien für das erste Jahr und für die Folgejahre angeben. Wer den langfristigen PV Ertragsverlust verstehen will, muss beide Phasen kennen.
LID, PID und normale Alterung - die Ursachen
Der Leistungsverlust eines Solarmoduls hat mehrere physikalische Ursachen, die unterschiedlich stark ins Gewicht fallen:
- LID (Light Induced Degradation): Sobald ein Modul das erste Mal Sonnenlicht sieht, reagieren Verunreinigungen im Silizium und senken die Leistung. Dieser Effekt erklärt den grössten Teil der Anfangsdegradation im ersten Jahr und ist bei modernen Zelltypen deutlich kleiner als früher.
- PID (Potential Induced Degradation): Bei hohen Systemspannungen, Feuchtigkeit und Hitze können Leckströme entstehen, die einzelne Zellen schwächen. Hochwertige Module sind heute PID-resistent ausgelegt, dennoch bleibt der Effekt bei schlechter Erdung oder minderwertigem Material ein Risiko.
- Normale thermische und mechanische Alterung: UV-Strahlung, ständige Temperaturwechsel, Feuchtigkeit und Mikrorisse setzen den Materialien dauerhaft zu. Diese Alterung der Solarmodule ist unvermeidbar und bestimmt den linearen Verlust über die Jahrzehnte.
Hinzu kommen Verschmutzung und Verschattung. Diese verringern den Ertrag zwar ebenfalls, zählen aber technisch nicht zur Degradation, weil sie sich durch Reinigung beheben lassen. Wer den Wirkungsgrad der PV-Module erhöhen möchte, sollte diese reversiblen Verluste sauber von der echten Alterung trennen.
Typische Degradationsraten 2026
Die Zahlen haben sich in den letzten Jahren spürbar verbessert. Bei aktuellen Qualitätsmodulen gelten 2026 folgende Richtwerte:
- Erstes Jahr (Anfangsdegradation): rund 1,0 bis 2,0 Prozent. Premium-Module bleiben oft unter 1,0 Prozent.
- Lineare Jahresdegradation danach: etwa 0,3 bis 0,55 Prozent pro Jahr bei Standardmodulen, 0,25 bis 0,4 Prozent bei hochwertigen Zellen.
Zwischen den Zelltechnologien gibt es klare Unterschiede. Klassische PERC-Module liegen bei rund 0,5 bis 0,55 Prozent pro Jahr. TOPCon-Module erreichen heute oft 0,35 bis 0,4 Prozent und altern damit langsamer. HJT-Module (Heterojunction) gehören mit etwa 0,25 Prozent pro Jahr zu den langzeitstabilsten Produkten am Markt. Welche Technik für Ihren Bedarf am besten passt, zeigt unser Vergleich von TOPCon, HJT und IBC im Vergleich.
Auch die Bauweise beeinflusst die Lebensdauer. Glas-Glas-Module sind beidseitig mit Glas eingefasst, besser gegen Feuchtigkeit geschützt und zeigen typisch nur 0,25 bis 0,35 Prozent Verlust pro Jahr. Glas-Folie-Module mit Rückseitenfolie sind günstiger, altern aber tendenziell etwas schneller bei rund 0,4 bis 0,55 Prozent. Wie stabil moderne Glas-Glas-Technik wirklich ist, dokumentieren unsere Glas-Glas-Module im Test. Rechnet man 0,4 Prozent über 25 Jahre, verbleiben rund 88 bis 90 Prozent der Anfangsleistung - kein dramatischer Einbruch, aber ein realer Faktor in der Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Leistungsgarantie richtig lesen
Die Leistungsgarantie ist das wichtigste Versprechen rund um die Degradation - und sie wird oft falsch verstanden. Sie sagt nicht, dass ein Modul defekt ist, sondern garantiert eine Mindestleistung zu einem bestimmten Zeitpunkt. Typische Angaben 2026 lauten zum Beispiel: 98 Prozent garantierte Leistung nach dem ersten Jahr und mindestens 87 bis 92 Prozent nach 25 bis 30 Jahren.
Worauf Sie achten sollten: Eine Garantie von 92 Prozent nach 25 Jahren ist deutlich besser als 87 Prozent, weil sie eine geringere zugesicherte Jahresdegradation bedeutet. Prüfen Sie außerdem, ob es sich um eine lineare Garantie handelt (jährlich gleichmässiger Verlauf) oder um Stufengarantien. Trennen Sie immer die Leistungsgarantie von der Produktgarantie: Letztere deckt Material- und Verarbeitungsfehler und liegt bei Qualitätsherstellern heute oft bei 25 bis 30 Jahren. Eine lange Leistungsgarantie ist nur so viel wert, wie der Hersteller im Garantiefall auch tatsächlich erreichbar und solvent ist.
Degradation der Batterie und des Speichers
Auch der Stromspeicher altert, allerdings nach anderen Regeln als die Module. Hier wirken zwei Mechanismen zusammen: die zyklische Alterung durch Laden und Entladen sowie die kalendarische Alterung allein durch das Vergehen der Zeit, unabhängig von der Nutzung. Moderne LFP-Speicher (Lithium-Eisenphosphat) erreichen 6.000 bis 10.000 Vollzyklen und behalten oft 70 bis 80 Prozent Restkapazität nach 10 bis 15 Jahren. Hersteller garantieren üblicherweise eine Restkapazität von 70 oder 80 Prozent über 10 Jahre. Welche Zelltypen wie lange durchhalten, erklären wir bei den Solarspeicher-Arten und ihre Lebensdauer.
Wie man Degradation minimiert
Die Alterung lässt sich nicht stoppen, aber wirksam verlangsamen. Drei Hebel sind entscheidend:
- Qualität: PID-resistente Module mit niedriger garantierter Degradationsrate, idealerweise Glas-Glas-Bauweise mit TOPCon- oder HJT-Zellen. Achten Sie auf einen Hersteller mit langer Marktpräsenz.
- Fachgerechte Montage: korrekte Erdung gegen PID, ausreichende Hinterlüftung gegen Hitzestau und mechanisch spannungsfreie Befestigung gegen Mikrorisse. Schlechte Montage beschleunigt jeden Alterungseffekt.
- Wartung und Monitoring: regelmässige Reinigung, Sichtkontrolle und ein Monitoring, das sinkende Erträge frühzeitig erkennt. Mehr dazu in unserem Leitfaden zur richtige Wartung der Solaranlage.
Unterm Strich ist die Photovoltaik Degradation 2026 gut beherrschbar. Wer auf geprüfte Qualität, saubere Montage und regelmässige Wartung setzt, kann selbst nach 25 Jahren mit rund 88 bis 90 Prozent der ursprünglichen Leistung rechnen - eine Anlage, die also den Großteil ihrer Lebenszeit nahezu auf Volllast arbeitet.
Häufige Fragen
Wie viel Leistung verliert ein Solarmodul pro Jahr?
Moderne Qualitätsmodule verlieren nach dem ersten Jahr etwa 0,3 bis 0,55 Prozent ihrer Leistung pro Jahr. Im ersten Jahr ist der Verlust mit rund 1 bis 2 Prozent einmalig höher. Hochwertige HJT-Module liegen langfristig bei nur etwa 0,25 Prozent.
Was ist der Unterschied zwischen LID und PID?
LID (Light Induced Degradation) tritt bei der ersten Lichteinwirkung auf und verursacht den Großteil der Anfangsdegradation. PID (Potential Induced Degradation) entsteht später durch hohe Spannungen, Feuchtigkeit und Hitze und lässt sich durch PID-resistente Module und korrekte Erdung weitgehend vermeiden.
Welche Module altern am langsamsten?
Glas-Glas-Module mit TOPCon- oder HJT-Zellen zeigen die geringste Degradation, oft nur 0,25 bis 0,35 Prozent pro Jahr. Sie sind besser gegen Feuchtigkeit geschützt als Glas-Folie-Module und damit langzeitstabiler.
Was bedeutet eine Garantie von 90 Prozent nach 25 Jahren?
Das bedeutet, der Hersteller garantiert, dass das Modul nach 25 Jahren noch mindestens 90 Prozent seiner ursprünglichen Nennleistung liefert. Fällt die Leistung tiefer, greift der Garantieanspruch. Je höher dieser Wert, desto stabiler das Modul.
Altert ein Batteriespeicher auch ohne Nutzung?
Ja. Neben der zyklischen Alterung durch Laden und Entladen gibt es die kalendarische Alterung, die allein durch Zeit und Temperatur entsteht. Deshalb verlieren Speicher auch dann Kapazität, wenn sie wenig genutzt werden. Kühle Lagerung verlangsamt diesen Effekt.






