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Infrarotheizung mit PV 2026: Mit Solarstrom heizen - lohnt sich das?
Inhaltsverzeichnis
Die Idee klingt verlockend: Sonnenstrom vom eigenen Dach fließt direkt in die Heizung, und das Wohnzimmer wird kostenlos warm. Eine Infrarotheizung mit PV ist technisch einfach und schnell installiert - doch ob sie sich wirklich lohnt, hängt stark davon ab, wann und wo geheizt wird. In diesem Artikel ordnen wir ehrlich ein, was die Kombination aus Infrarotheizung und Solarstrom kann, wo ihre Grenzen liegen und für wen sie 2026 sinnvoll ist.

Wie funktioniert eine Infrarotheizung?
Eine Infrarotheizung ist im Kern eine elektrische Flächenheizung. Sie wandelt Strom direkt in Wärmestrahlung um - ähnlich wie die Sonne oder ein Kachelofen. Statt die Raumluft aufzuheizen, erwärmt die Strahlung gezielt Körper und Oberflächen im Raum: Wände, Möbel, Boden und Personen. Diese Flächen geben die Wärme anschließend wieder an die Umgebung ab.
Der große Vorteil: Die Wärme wird als angenehm empfunden, oft schon bei etwas niedrigerer Lufttemperatur. Die Technik ist wartungsarm, leise und braucht weder Heizkreislauf noch Vorlauf. Eine Infrarotheizung ist im Prinzip nichts anderes als eine besonders gut gestaltete Elektroheizung - und genau hier liegt auch der Haken: Sie arbeitet mit einem Wirkungsgrad von rund 100 Prozent, aber eben nicht darüber hinaus. Aus 1 Kilowattstunde Strom wird 1 Kilowattstunde Wärme. Mehr nicht.
Infrarotheizung + PV - passt das zusammen?
Auf dem Papier ist die Kombination aus Infrarotheizung und Photovoltaik elegant: Der Solarstrom wird direkt im Haus verbraucht, statt für wenige Cent ins Netz eingespeist zu werden. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den teuren Netzbezug. Wer seinen Eigenverbrauch optimieren möchte, findet in einer elektrischen Zusatzheizung scheinbar einen praktischen Stromabnehmer.
Das funktioniert allerdings nur dann gut, wenn Solarertrag und Heizbedarf zeitlich zusammenpassen - und genau das ist das Problem. Geheizt wird vor allem im Winter, morgens und abends. Die PV-Anlage liefert ihren Strom dagegen mittags und im Sommer. An einem kalten, truben Dezembertag erzeugt eine durchschnittliche Dachanlage nur einen Bruchteil ihrer Sommerleistung, oft unter 10 bis 20 Prozent. Genau dann, wenn die Infrarotheizung am meisten Strom zieht, liefert das Dach am wenigsten.
Die ehrliche Konsequenz: Im tiefen Winter deckt die PV-Anlage nur einen kleinen Teil des Heizstroms ab. Den Rest muss teurer Netzstrom liefern. In der Übergangszeit - Frühling und Herbst - sieht die Bilanz deutlich besser aus, weil dann an sonnigen Tagen oft mehr als genug Strom für einzelne Räume da ist. Wer die Infrarotheizung also als reine Solar-Heizung für den ganzen Winter plant, wird enttäuscht. Als Ergänzung in der Übergangszeit oder für einzelne Räume kann sie dagegen aufgehen.
Wirtschaftlichkeit: Stromkosten vs. Wärmepumpe
Beim Geld wird die nüchterne Einordnung wichtig. Eine Infrarotheizung verbraucht für jede Kilowattstunde Wärme genau eine Kilowattstunde Strom. Bei einem Netzstrompreis von rund 30 Cent kostet die Wärme also etwa 30 Cent pro Kilowattstunde - sofern kein Solarstrom verfügbar ist. Das ist im Vergleich zu fast jeder anderen Heizform teuer.
Die Alternative ist eine Wärmepumpe. Sie nutzt Strom nicht direkt als Wärme, sondern als Antrieb, um Umweltwärme aus Luft oder Erdreich zu "pumpen". Aus 1 Kilowattstunde Strom werden so 3 bis 4 Kilowattstunden Wärme. Das bedeutet: Eine Wärmepumpe braucht für die gleiche Wärmemenge nur etwa ein Drittel bis ein Viertel des Stroms einer Infrarotheizung. Wer wissen will, wie eine Wärmepumpe funktioniert, erkennt schnell den entscheidenden Unterschied beim Wirkungsgrad.
Für das ganze Haus ist die Wärmepumpe deshalb fast immer die wirtschaftlichere und klimafreundlichere Lösung - gerade in Kombination mit Solarstrom. Ein PV mit Wärmepumpe-Komplettpaket liefert pro eingesetzter Kilowattstunde Solarstrom ein Mehrfaches an Wärme. Die Infrarotheizung schlägt die Wärmepumpe nur bei den Anschaffungskosten: Ein Heizpaneel kostet wenige hundert Euro, eine Wärmepumpe schnell den fünfstelligen Bereich. Die Faustregel lautet daher: Wo viel und dauerhaft geheizt wird, gewinnt die Wärmepumpe über die Betriebskosten. Wo nur selten, kurz oder punktuell Wärme gebraucht wird, kann die günstige Infrarotheizung trotz hoher Stromkosten die sinnvollere Wahl sein.
Auslegung: Wieviel kWp und Speicher nötig?
Wer Infrarotheizung mit PV kombinieren will, sollte realistisch rechnen. Ein einzelnes Heizpaneel hat typischerweise 300 bis 1.000 Watt Leistung. Läuft es täglich mehrere Stunden, summiert sich der Verbrauch schnell auf einige Kilowattstunden pro Tag und Raum. Um das im Winter aus Solarstrom zu decken, bräuchte man eine sehr große Anlage - und selbst die liefert an dunklen Tagen kaum etwas.
Praktisch gilt: Je größer die PV-Anlage, desto eher reicht der Mittagsstrom in der Übergangszeit für den Heizbetrieb. Anlagen ab etwa 8 bis 10 kWp bieten in Frühling und Herbst oft genug Spielraum, um einzelne Räume tagsüber solar zu heizen. Im Dezember und Januar bleibt die solare Deckung jedoch gering, egal wie groß das Dach ist.
Ein Batteriespeicher verschiebt mittags erzeugten Strom in die Abendstunden und erhöht so den solaren Heizanteil spürbar - allerdings nur, solange überhaupt Überschuss anfällt. Im Winter ist der Speicher für das Heizen meist leer, bevor es richtig kalt wird. Ein Speicher lohnt sich daher vor allem für den allgemeinen Haushaltsstrom und nur als netter Nebeneffekt fürs Heizen. Wer den solaren Eigenverbrauch zusätzlich steigern will, kann Überschuss alternativ ins Warmwasser leiten - dazu passt ein Heizstab mit PV-Überschuss, der oft mehr Nutzen bringt als das direkte Heizen mit Infrarot.
Für wen lohnt es sich?
Es gibt klar abgegrenzte Fälle, in denen sich die Infrarotheizung mit Solarstrom rechnet. Sie spielt ihre Stärken dort aus, wo der Wärmebedarf gering, räumlich begrenzt oder zeitlich flexibel ist:
- Tiny House und kleine, gut gedämmte Gebäude: Geringer Wärmebedarf, niedrige Anschaffungskosten und keine teure Heizungsinfrastruktur - hier ist Infrarot oft die pragmatischste Lösung.
- Altbau-Einzelraum: Ein selten genutztes Arbeitszimmer, das Hobbybad oder die Werkstatt punktuell zu heizen, ist mit einem Paneel günstiger als eine komplette Heizkörper-Erweiterung.
- Übergangszeit: An sonnigen Frühlings- und Herbsttagen liefert die PV-Anlage mittags genug Strom, um einzelne Räume nahezu kostenlos zu erwärmen, bevor abends die Zentralheizung gebraucht wird.
- Ferienhaus oder Zweitwohnung: Schnelle Aufheizung bei Bedarf, kein Frostschutz-Dauerbetrieb nötig.
Wer hingegen ein ganzes Einfamilienhaus dauerhaft beheizen will, sollte die Finger von der Infrarotheizung als Hauptheizung lassen. Hier sind die Betriebskosten zu hoch und die Wärmepumpe ist klar überlegen. Ein hilfreicher Hebel für alle elektrischen Heizungen sind außerdem dynamische Stromtarife: Wer in günstigen Stunden heizt, senkt die Kosten für den ohnehin nötigen Netzstrom im Winter.
Unterm Strich ist die Infrarotheizung mit PV kein Wundermittel, aber ein nützliches Werkzeug für die richtigen Einsatzfälle. Sie überzeugt durch niedrige Anschaffungskosten und einfache Montage - nicht durch günstigen Betrieb. Wer das realistisch einplant und sie nicht als Ganzjahres-Solarheizung missversteht, kann sie sinnvoll einsetzen.
Häufige Fragen
Kann ich mit einer Infrarotheizung im Winter komplett mit Solarstrom heizen?
Nein. Im Dezember und Januar liefert eine PV-Anlage nur einen Bruchteil ihrer Sommerleistung. Genau dann ist der Heizbedarf am höchsten. Der große Teil des Heizstroms muss im Winter aus dem Netz kommen.
Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Wärmepumpe?
Nur bei der Anschaffung. Im Betrieb braucht eine Wärmepumpe für dieselbe Wärmemenge nur etwa ein Drittel bis ein Viertel des Stroms. Bei hohem Wärmebedarf ist die Wärmepumpe deutlich wirtschaftlicher.
Wieviel kWp PV brauche ich für eine Infrarotheizung?
Für solares Heizen einzelner Räume in der Übergangszeit sind Anlagen ab etwa 8 bis 10 kWp sinnvoll. Eine vollständige Winterdeckung ist mit keiner realistischen Anlagengröße erreichbar.
Bringt ein Batteriespeicher etwas fürs Heizen mit Infrarot?
In der Übergangszeit ja, weil er Mittagsstrom in den Abend verschiebt. Im Winter ist der Speicher fürs Heizen meist zu schnell leer. Der Hauptnutzen liegt beim allgemeinen Haushaltsstrom.
Für wen lohnt sich eine Infrarotheizung mit PV wirklich?
Vor allem für kleine, gut gedämmte Gebäude wie Tiny Houses, für selten genutzte Einzelräume im Altbau und für die Übergangszeit. Als Hauptheizung für ein ganzes Haus ist sie zu teuer im Betrieb.






