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Notstrom nachrüsten: PV-Anlage & Speicher mit Backup-Funktion 2026

Notstrom nachrüsten: PV-Anlage & Speicher mit Backup-Funktion 2026

Auf einen Blick: Wer bei Stromausfall nicht im Dunkeln sitzen will, kann eine bestehende PV-Anlage mit Speicher um eine Notstrom- oder Ersatzstrom-Funktion erweitem. Entscheidend sind drei Dinge: ein Hybrid-Wechselrichter mit EPS-Funktion, ein passender Stromspeicher und - je nach Anforderung - eine Backup-Box fur die vollstandige Hausabsicherung. Die Nachrustungskosten liegen typischerweise zwischen 800 und 3.000 EUR.

Notstrom, Ersatzstrom, USV: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden im Alltag haufig durcheinandergeworfen, bezeichnen aber technisch sehr unterschiedliche Konzepte. Wer eine Anlage nachrüsten möchte, sollte den Unterschied kennen - sonst kauft man schnell die falsche Lösung.

Notstrom ist im klassischen Sinne eine externe Einspeisung, die vollständig unabhängig vom öffentlichen Netz arbeitet. Typisches Beispiel: ein Dieselaggregat, das im Ernstfall angeworfen wird. Im PV-Kontext spricht man von Notstrom, wenn der Speicher zusammen mit dem Wechselrichter ein autonomes Inselnetz aufbaut.

Ersatzstrom (EPS - Emergency Power Supply) bezeichnet die automatische Umschaltung bei Netzausfall: Sobald das öffentliche Netz ausfällt, trennt sich der Hybrid-Wechselrichter vom Netz und versorgt definierte Stromkreise aus dem Speicher weiter. Die Umschaltung dauert je nach System zwischen wenigen Millisekunden und 1-2 Sekunden. EPS ist heute die gängigste Lösung bei Heimspeichern und in vielen modernen Wechselrichtern bereits integriert.

USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) arbeitet mit Umschaltzeiten im Millisekundenbereich - oft unter 20 ms. Das ist relevant für empfindliche Geräte wie medizinische Apparate, Server oder hochwertige HiFi-Anlagen, die eine kurze Unterbrechung nicht tolerieren. Eine echte USV-Funktion bieten nur wenige Heimspeicher-Systeme, unter anderem bestimmte Ausführungen des BYD HVS/HVM in Kombination mit kompatiblen Wechselrichtern.

Für die meisten Haushalte ist EPS die sinnvolle Wahl: kein händisches Eingreifen, automatische Trennung vom Netz, Versorgung aus dem Speicher - und nach Wiederkehr des Netzes automatische Rückschaltung. Mehr zum Thema Speicher im Überblick: Solarspeicher-Kategorie.

Wie funktioniert Notstrom mit PV-Anlage und Speicher?

Das Herzstück jeder Ersatzstrom-Lösung ist ein Hybrid-Wechselrichter mit EPS-Funktion. Er erfüllt drei Aufgaben gleichzeitig: Er wandelt den Solarstrom vom Gleichstrom in Wechselstrom um, managt den Ladevorgang des Speichers und kann im Ernstfall das Haus vom öffentlichen Netz trennen und als eigenständiges Inselnetz betreiben.

Der technische Ablauf sieht so aus: Ein interner Sensor überwacht permanent die Netzspannung. Sobald diese außerhalb des Toleranzbereichs liegt - zum Beispiel bei einem Stromausfall - öffnet ein Relais die Verbindung zum Netz. Der Wechselrichter wechselt in den Inselbetrieb und speist nun aus dem Speicher. Sobald die Netzspannung wieder stabil ist, erfolgt die automatische Rückschaltung.

Notstrom-Steckdose am Wechselrichter: Viele Hybrid-Wechselrichter haben eine dedizierte EPS-Ausgangsbuchse, über die im Notstromfall eine Leistung von typisch 3 kVA (Kilovoltampere) bereitgestellt wird. Der erzeugte Sinus ist rein - das bedeutet, auch empfindliche Elektronik wie Laptops und Router ist sicher versorgbar. Diese Lösung ist günstig nachzurüsten, schützt aber nur die Geräte, die direkt an der Steckdose hängen oder an einem angeschlossenen Verlängerungskabel.

Backup-Box für die vollständige Hausabsicherung: Wer alle Stromkreise im Haus absichern möchte, braucht eine sogenannte Backup-Box. Sie wird zwischen Hausanschluss und Unterverteilung installiert und übernimmt die galvanische Trennung vom Netz. Bekannte Systeme sind die Fronius Backup Box in Kombination mit dem Fronius Symo GEN24, das SMA Sunny Backup oder die integrierte Backup-Lösung bei Sungrow SH-Wechselrichtern. Die Installation ist aufwendiger und erfordert einen Elektriker, ermöglicht aber den Weiterbetrieb aller Verbraucher - bis zur verfügbaren Speicherleistung.

Einen detaillierten Vergleich aller relevanten Hybrid-Wechselrichter mit EPS-Funktion findest du in unserem Hybrid-Wechselrichter-Vergleich 2026.

Unsere meistgekauften Solarprodukte

Notstrom-Steckdose vs. Vollbackup: Was brauche ich?

Heimspeicher als Notstrom-Lösung
Heimspeicher mit Notstromfunktion: Sinus-reine Backup-Steckdose bei Netzausfall (Foto: Barnabas Davoti / Pexels)

Die Frage "Notstrom-Steckdose oder Vollbackup?" hängt vor allem davon ab, welche Verbraucher im Ernstfall weiterlaufen sollen - und was man bereit ist auszugeben.

Notstrom-Steckdose (EPS-Ausgang am Wechselrichter): Diese Lösung kostet in der Nachrüstung oft nur den Software-Freischalt-Aufpreis plus etwas Installationsarbeit - in vielen Fällen 200 bis 600 EUR. Sie versorgt zuverlässig Kühlschrank, Router, Beleuchtung und wichtige Kleingeräte. Nachteil: Der Rest des Hauses bleibt dunkel. Wer Geräte wechseln möchte, muss Stecker umstecken oder Verlängerungskabel verlegen.

Vollbackup mit Backup-Box: Hier bleibt das Haus praktisch unverändert nutzbar - bis die Speicherkapazität erschöpft ist. Die Kosten liegen inkl. Material und Elektriker-Stunden zwischen 1.500 und 3.000 EUR. Empfehlenswert für alle, die im Homeoffice arbeiten, auf Medizingeräte angewiesen sind oder einfach maximalen Komfort wünschen.

Dimensionierungsregel: Addiere die Anschlussleistung aller Geräte, die gleichzeitig laufen sollen. Ein Kühlschrank zieht ca. 150-300 W, ein Router 10-20 W, eine LED-Beleuchtung 50-100 W. Für Waschmaschine oder Elektroherd reichen die typischen 3-5 kVA der EPS-Funktion nicht aus - hier ist eine großzügig dimensionierte Backup-Box nötig. Achte auch auf den Unterschied zwischen Nennleistung (Dauerbetrieb) und Anlaufstrom (Spitze beim Einschalten von Motoren).

Das passende Gesamtsystem - inklusive Speicher und Wechselrichter - findest du in unserem Ratgeber zu PV-Speicher-Wärmepumpe-Komplettsystemen 2026.

Welche Wechselrichter haben eine EPS-Funktion?

Nicht jeder Wechselrichter kann Notstrom. Entscheidend ist, ob das Gerät als Hybrid-Wechselrichter ausgelegt ist und eine zertifizierte EPS- oder Backup-Funktion besitzt. Hier sind die wichtigsten Modelle im Überblick:

  • Sungrow SH-Serie (SH5.0/6.0/8.0/10RT): EPS-Funktion serienmäßig integriert, Umschaltzeit unter 20 ms, bis 100 % Eigenverbrauchsoptimierung. Eines der meistverkauften Systeme in Deutschland. Die Backup-Ausgangsbuchse liefert bis zu 3 kVA sinus-rein.
  • Fronius Symo GEN24 Plus: In Kombination mit der Fronius Backup Box ermöglicht das System vollständige Hausabsicherung. Ohne Backup Box ist nur die PV Point-Funktion (Notstrom-Steckdose, max. 3 kVA) verfügbar. Umschaltzeit ca. 1-2 Sek. ohne Backup Box, unter 100 ms mit.
  • GoodWe ET-Serie (ET+): EPS-Funktion mit Umschaltzeit unter 20 ms, unterstützt auch Off-Grid-Betrieb. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, besonders für Nachrüstungen geeignet.
  • Huawei SUN2000 mit Luna2000-Speicher: EPS-Funktion per Software aktivierbar, Umschaltzeit unter 20 ms. Starke HEMS-Integration über die FusionSolar-App. Mehr dazu im HEMS-Vergleich 2026.
  • SMA Sunny Tripower Smart Energy: EPS-Funktion mit optionaler Backup-Box für Vollabsicherung. SMA gilt als besonders zuverlässig und servicefreundlich.

Wichtig bei der Nachrüstung: Bei bestehenden Anlagen mit einem String-Wechselrichter ohne Speicher-Schnittstelle ist ein kompletter Wechselrichtertausch notwendig. Manche Hersteller bieten jedoch Retrofit-Lösungen an, bei denen ein AC-seitiger Speicher (z. B. mit eigenem Hybrid-Modul) nachträglich installiert werden kann. Lass dich von einem Fachbetrieb beraten - die richtige Konfiguration spart am Ende Zeit und Geld.

Eine vollständige Übersicht der Systemkosten gibt unser Artikel zu Solaranlage-Kosten 2026.

Kosten & Nachrüstung: Was ist möglich?

Die Kosten für die Nachrüstung einer Notstrom-Funktion variieren erheblich - je nach Ausgangslage, gewähltem System und Umfang der Hausabsicherung.

Szenario 1 - EPS-Steckdose freischalten (bestehender Hybrid-WR + Speicher vorhanden): In vielen Fällen ist die EPS-Funktion im Wechselrichter bereits technisch vorhanden und muss nur per Software aktiviert werden. Kosten: 200-600 EUR inkl. Elektriker-Stunde für Abnahme und Konfiguration.

Szenario 2 - Wechselrichtertausch (bestehender String-WR ohne EPS): Der alte Wechselrichter wird durch einen Hybrid-Wechselrichter ersetzt, ein Speicher wird hinzugefügt. Kosten: 3.000-8.000 EUR gesamt (Speicher + Wechselrichter + Installation). Die EPS-Funktion ist dann inklusive.

Szenario 3 - Backup-Box nachrüsten (Hybrid-WR bereits vorhanden): Wenn bereits ein kompatibler Hybrid-Wechselrichter mit Speicher läuft, kann eine Backup-Box nachgerüstet werden. Kosten: 800-2.000 EUR je nach Hersteller und Aufwand für Umbau der Unterverteilung.

Szenario 4 - Komplettes Backup-System neu planen: Wer von Grund auf plant und Vollabsicherung wünscht, investiert typischerweise 1.500-3.000 EUR zusätzlich zur Speicher- und Wechselrichter-Investition. Das schließt Backup-Box, Elektriker-Arbeit und ggf. Anpassungen in der Unterverteilung ein.

Förderungen nutzen: In einigen Bundesländern werden Stromspeicher inklusive Backup-Funktion gefördert. Die aktuellen Konditionen sind im Artikel Solarspeicher-Förderung 2026 zusammengefasst. KfW-Kredite über das Programm 270 können ebenfalls für Speicher-Nachrüstungen genutzt werden.

Was ist bei der Nachrüstung zu beachten? Die Installation einer Backup-Box oder die Änderung der Unterverteilung ist eine elektrotechnische Facharbeit und muss von einem zugelassenen Elektrobetrieb durchgeführt werden. Der Netzbetreiber muss über Änderungen an der Einspeiseanlage informiert werden. In manchen Fällen ist eine neue Anmeldung beim Marktstammdatenregister erforderlich.

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Solarspeicher im Vergleich

FAQ: Notstrom mit PV-Speicher

Kann ich mit einer PV-Anlage ohne Speicher Notstrom nutzen?
Nein. Ohne Speicher hat der Wechselrichter keine Energiequelle, sobald er sich vom Netz trennt. Ein Stromspeicher ist Pflichtbestandteil jeder Notstrom-Lösung mit PV.

Was bedeutet EPS und wie schnell schaltet es um?
EPS steht für Emergency Power Supply und bezeichnet die automatische Ersatzstromversorgung. Moderne Hybrid-Wechselrichter schaffen Umschaltzeiten unter 20 ms - das ist schnell genug für die meisten Elektronikgeräte. Mechanische Lösungen mit separater Backup-Box können 1-2 Sekunden benötigen, was für manche empfindliche Geräte problematisch sein kann.

Wie viel Strom kann ich im Notstromfall verbrauchen?
Das hängt von der EPS-Ausgangsleistung des Wechselrichters ab. Typisch sind 3 kVA. Das reicht für Kühlschrank, Beleuchtung, Router, Laptop und Kleingeräte. Elektroherd, Waschmaschine oder Wärmepumpe übersteigen diese Grenze in der Regel. Für Vollabsicherung mit höherer Leistung eignet sich eine Backup-Box mit einem leistungsstärkeren Wechselrichter.

Wie lange hält der Speicher im Notstromfall?
Das ergibt sich aus Kapazität und Verbrauch. Ein 10 kWh-Speicher bei 500 W Last hält etwa 20 Stunden. Tagsüber lädt die PV-Anlage den Speicher nach - bei ausreichend Sonneneinstrahlung kann der Notstrombetrieb theoretisch unbegrenzt andauern.

Ist Notstrom nachrüsten auch bei Altanlagen möglich?
Ja, aber der Aufwand hängt vom bestehenden Wechselrichter ab. Hat die Anlage bereits einen Hybrid-Wechselrichter mit Speicher, ist oft nur eine Software-Aktivierung nötig. Bei alten String-Wechselrichtern ohne Speicher-Schnittstelle ist ein Tausch des Wechselrichters notwendig.

Muss ich den Netzbetreiber informieren?
Ja. Änderungen an der Einspeiseanlage, insbesondere die Nachrüstung einer Backup-Funktion oder einer Backup-Box, sind dem Netzbetreiber zu melden. In manchen Fällen ist eine neue Anmeldung beim Marktstammdatenregister erforderlich. Dein Elektrobetrieb übernimmt das in der Regel.

Was kostet die Nachrüstung einer Notstrom-Steckdose?
Wenn der Wechselrichter die EPS-Funktion bereits technisch unterstützt, kostet die Aktivierung inkl. Elektriker oft nur 200-600 EUR. Eine vollständige Backup-Box-Nachrüstung liegt bei 800-2.000 EUR zusätzlich. Details zur Gesamtkalkulation im Artikel Solaranlage-Kosten 2026.

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