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Notstrom für die Wärmepumpe 2026: Heizung im Blackout am Laufen halten

Notstrom für die Wärmepumpe 2026: Heizung im Blackout am Laufen halten

Redaktion Solaranlage-Tipps
6 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

  • Eine Wärmepumpe braucht 800 bis 4.000 W Dauerlast – damit hängt sie an einer Backup-Anlage spürbar drin und verschluckt einen kleinen Speicher binnen Stunden.
  • Drei Strategien: Wärmepumpe gezielt aus dem Backup ausnehmen, mit 3-phasigem Hybrid-WR + 10 kWh+ Speicher dauerhaft tragen oder im Backup nur Umwälzpumpe + Steuerung versorgen (Restwärme nutzen).
  • Im Blackout-Fall reicht oft "Heizung weiterlaufen lassen" nicht – Brennwertkessel und Wärmepumpen brauchen Strom für Steuerung + Pumpen, sonst geht gar nichts.
  • Empfohlene Hardware 2026: 3-phasiger Hybrid-WR (Sungrow SH-RT, Huawei SUN2000 KTLT, GoodWe ET) plus 10 – 20 kWh LiFePO4-Speicher.
  • Kostenrahmen Komplett-Nachrüstung: 8.000 bis 18.000 Euro – plant ihr sowieso eine Wärmepumpe, kostet die Backup-Option nur 1.500 bis 3.500 Euro Aufschlag.
Wärmepumpe und PV-Anlage am Einfamilienhaus mit Speicher und Hybrid-Wechselrichter
Foto: cottonbro studio / Pexels

Warum die Wärmepumpe bei Stromausfall meist als Erstes ausfällt

Wer in den letzten drei Jahren eine Wärmepumpe installiert hat (oder gerade plant), kennt die Sympathiefrage des Berliner Blackout-Wochenendes: "Funktioniert dein Haus eigentlich noch, wenn der Strom weg ist?" Die ehrliche Antwort lautet meistens: Nein. Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe hängt vollständig am Stromnetz, ihr Verdichter zieht 800 bis 4.000 W Dauerlast (je nach Wetter und Modulation), und ohne Strom-Steuerung läuft auch keine Umwälzpumpe und kein Pufferspeicher-Ventil. Drei Stunden ohne Strom in der Übergangszeit sind unkritisch; drei Tage bei minus 10 Grad sind ein Problem.

Dieser Ratgeber zeigt, wie du Wärmepumpe und PV-Speicher so kombinierst, dass deine Heizung im Blackout-Fall überlebt – und welche Backup-Strategien sich für welche Hauskonstellation lohnen. Wenn du den Backup-Begriff selbst noch klären willst, lies parallel unseren Ratgeber zu Notstromfähiger Wechselrichter nachrüsten und den Pillar Notstrom mit PV-Speicher 2026.

Wie viel Strom zieht die Wärmepumpe wirklich?

Realwerte aus Feldmessungen 2024 – 2026, sortiert nach Außentemperatur:

AußentemperaturVerdichter-Last (Luft-WP)Tagesverbrauch EFH 140 m²Backup-Anforderung
+10 °C (Frühling)400 – 800 W4 – 8 kWh2 – 3 kW Backup-Leistung
0 °C (Übergangszeit)1.200 – 2.000 W15 – 25 kWh3 – 4 kW Backup-Leistung
-5 °C (Kalter Winter)2.500 – 3.500 W35 – 55 kWh4 – 5 kW Backup-Leistung
-10 °C (Extremwinter)3.500 – 4.500 W + E-Heizstab60 – 80 kWh6 – 8 kW (3-phasig)

Drei Befunde: Erstens ist Backup bei +10 °C einfach – ein 5 kWh Speicher hält die WP eine Nacht durch. Zweitens ist Backup bei 0 °C die kritische Schwelle, ab der du serious anfangen musst zu rechnen. Drittens ist Backup bei -10 °C praktisch unmöglich ohne 20+ kWh Speicher – hier brauchst du eine andere Strategie.

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Drei Strategien für Notstrom an der Wärmepumpe

Strategie 1: Wärmepumpe gezielt aus dem Backup ausnehmen

Pragmatischer Ansatz für die meisten Haushalte: Im Backup-Stromkreis hängen nur Router, Kühlschrank, Beleuchtung, Steuerelektronik. Die Wärmepumpe bleibt aus, dafür hält die Restwärme im Heizkreis und im Pufferspeicher das Haus 12 bis 36 Stunden warm. Vorteil: kleine Backup-Box (1-phasig) reicht, Speicher bleibt klein (5 kWh). Nachteil: bei Ausfall länger als 36 Stunden wird's kalt – Notlösung mit Kaminofen oder Pellet-Ofen einplanen.

Strategie 2: Vollbackup mit 3-phasigem Hybrid-Wechselrichter

Premium-Variante: Du installierst einen 3-phasigen Hybrid-WR (Sungrow SH-RT, Huawei SUN2000-12KTL-M5, GoodWe ET) mit Backup-Ausgang, der die Wärmepumpe weiterversorgt. Pflicht: mindestens 10 kWh LiFePO4-Speicher, besser 15 bis 20 kWh. Die Marken-Tests dazu: Sungrow SBR, Huawei Luna und GoodWe Lynx Home. Vorteil: Heizung läuft weiter. Nachteil: 8.000 bis 15.000 Euro Investition.

Strategie 3: Hybrid-Backup mit nur Umwälzpumpe + Steuerung

Clevere Lowest-Cost-Lösung: Die Wärmepumpe selbst bleibt aus, ABER Umwälzpumpe (60 – 100 W) und Steuerung (10 – 30 W) laufen weiter. Das verteilt die Restwärme im Pufferspeicher, hält die Heizkurven sauber und vermeidet Frostschäden im Heizkreis. Bedarf: 200 bis 400 Wh pro Tag = Mini-Backup mit 2 kWh Speicher reicht. Ideal als Übergang für Häuser, die einen Kaminofen als Notheizung haben.

3-phasiger Hybrid-Wechselrichter: die Pflicht-Hardware

Eine Wärmepumpe läuft fast immer auf Drehstrom (3 Phasen × 230 V = 400 V). Ein 1-phasiger Backup-Ausgang versorgt nur eine Phase – damit läuft der Verdichter nicht an. Empfohlene Geräte 2026:

  • Sungrow SH8.0-15.0RT: 8 – 15 kW Hybrid, 3-phasig, Reservebetrieb mit 10 kVA Backup-Leistung. Sehr beliebt für Wärmepumpen-Häuser.
  • Huawei SUN2000-8/10/12KTL-M2: Modulares System mit Backup-Box B1 für 3-phasige Inselversorgung.
  • GoodWe ET 8 – 15 kW: Hybrid mit eingebautem ATS-Schalter (Automatic Transfer Switch) und Black-Start-Fähigkeit.
  • Fronius Symo GEN24 Plus: Mit Full-Backup-Box, allerdings teurer in der Anschaffung.

Vergleichswerte und Stärken/Schwächen der Modelle findest du im großen Hybrid-Wechselrichter Test 2026.

Speicher: 10 kWh sind das Minimum, 20 kWh komfortabel

Lass uns rechnen, wie weit du mit verschiedenen Speichergrößen kommst:

SpeicherBackup-Dauer bei 0 °CBackup-Dauer bei -5 °CEmpfehlung für
5 kWh6 – 10 h (WP läuft minimal)3 – 5 hStrategie 1 oder 3
10 kWh12 – 18 h6 – 9 hStrategie 2 mit Sparmodus
15 kWh20 – 30 h10 – 15 hStrategie 2, Standardhaus
20 kWh30 – 50 h (mit PV-Tag)16 – 24 hPremium, viel Wohnfläche

Achte beim Speicherkauf auf: Echte Black-Start-Fähigkeit (WR muss aus leerem Speicher mit Morgensonne wieder anlaufen), 100 % Entladetiefe (DoD), zertifizierte Wärmepumpen-Kompatibilität. Detail-Ratgeber dazu: Solarspeicher kaufen 2026.

Wärmepumpe + PV richtig dimensionieren

Damit der ganze Backup-Aufbau überhaupt sinnvoll ist, muss die PV-Anlage zur Wärmepumpe passen. Faustregel: pro 1 kW WP-Nennleistung im Auslegungsfall mindestens 1,5 kWp PV. Beispiel: 10 kW Wärmepumpe = 15 kWp PV-Anlage. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe mit PV richtig dimensionieren.

Wer beides zusammen plant, fährt mit Komplett-Paketen am besten – Details im Pillar PV + Wärmepumpe 2026 Komplettpaket. Auch in der allgemeinen Wärmepumpen-Eigenverbrauchs-Strategie aus Solar und Wärmepumpe – das perfekte Duo spielt Backup eine wachsende Rolle.

Notlösungen für den Worst Case

Trotz aller Vorsorge: Wenn der Blackout drei Tage dauert und der Speicher leer ist, helfen folgende Backup-Lösungen weiter:

  • Kaminofen / Pelletofen: wasserführend in Heizkreis eingebunden, läuft strom-arm (10 W Steuerelektronik).
  • Notstromaggregat 5 kW Inverter-Diesel: teuer, laut, riecht – aber zuverlässig. Vergleich im Artikel Notstromaggregat oder PV-Speicher?
  • Wärmepumpe abschalten + Restwärme nutzen: Bei gut gedämmtem Haus 24 bis 48 Stunden Pufferzeit.
  • Kommunale Aufwärm-Punkte: Erfahrung Berlin Januar 2026 – Schulen und Sporthallen wurden Notunterkünfte.

Wann lohnt sich Backup für die Wärmepumpe?

  • Bei Neu-Installation Hybrid-WR + Speicher mit Backup-Option ohnehin mitbestellen – Mehrkosten 1.500 bis 3.500 Euro statt 5.000 bis 8.000 Euro für späteren Umbau.
  • Bei bestehender Wärmepumpen-Anlage ohne PV: Erst PV nachrüsten, dann Hybrid-WR + Speicher mit Backup.
  • Im ländlichen Raum mit häufigen Ausfällen: Strategie 2 (Vollbackup) wirtschaftlich sinnvoll ab 3+ Ausfällen/Jahr über 6 Stunden.
  • In stabiler Großstadtlage: Strategie 1 (WP raus, Komfort-Verbraucher rein) meist ausreichend.

Mit Förderung lässt sich der Backup-Aufschlag drücken – Hintergrund in unserem Ratgeber zu BAFA-Förderung 2026 für Solar und Wärmepumpe.

Praxis-Stolperfallen aus 50 Backup-Wärmepumpen-Installationen

  • Anlaufstrom unterschätzt: Verdichter zieht beim Anlauf 1,5 – 2 × Nennlast. Ein Backup-WR mit 5 kW Dauerleistung kann unter Umständen den Anlauf nicht packen – Spitzenleistung 8 kW+ ist Pflicht.
  • 3-Phasen-Schieflast: Backup-Box gibt manchmal nur 1 Phase zurück, Wärmepumpe braucht aber 3. Bei 3-phasigen WR vorher prüfen, ob alle Phasen im Backup wirklich versorgt werden.
  • Vergessener E-Heizstab: Manche Wärmepumpen haben einen 6 – 9 kW E-Heizstab als Bivalenzpunkt-Backup. Im Backup-Mode MUSS dieser abgeschaltet sein, sonst frisst er den Speicher in 30 Minuten leer.
  • Speicher zu klein für Wintertage: 5 kWh klingt nach viel, sind aber bei -5 °C nach 3 – 5 Stunden weg. Mindestens 10 kWh für reale Notstromfähigkeit der WP.
  • Pufferspeicher nicht eingebunden: Wer einen großen Heiz-Pufferspeicher (500 – 1.000 L) hat, kann ihn bei Sonne hoch beladen und im Blackout 24 – 48 h ohne WP-Lauf nutzen. Voraussetzung: Smart-Steuerung mit Solar-Überschuss-Signal.

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