Notstrom für die Wärmepumpe 2026: Heizung im Blackout am Laufen halten
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Eine Wärmepumpe braucht 800 bis 4.000 W Dauerlast – damit hängt sie an einer Backup-Anlage spürbar drin und verschluckt einen kleinen Speicher binnen Stunden.
- Drei Strategien: Wärmepumpe gezielt aus dem Backup ausnehmen, mit 3-phasigem Hybrid-WR + 10 kWh+ Speicher dauerhaft tragen oder im Backup nur Umwälzpumpe + Steuerung versorgen (Restwärme nutzen).
- Im Blackout-Fall reicht oft "Heizung weiterlaufen lassen" nicht – Brennwertkessel und Wärmepumpen brauchen Strom für Steuerung + Pumpen, sonst geht gar nichts.
- Empfohlene Hardware 2026: 3-phasiger Hybrid-WR (Sungrow SH-RT, Huawei SUN2000 KTLT, GoodWe ET) plus 10 – 20 kWh LiFePO4-Speicher.
- Kostenrahmen Komplett-Nachrüstung: 8.000 bis 18.000 Euro – plant ihr sowieso eine Wärmepumpe, kostet die Backup-Option nur 1.500 bis 3.500 Euro Aufschlag.
Warum die Wärmepumpe bei Stromausfall meist als Erstes ausfällt
Wer in den letzten drei Jahren eine Wärmepumpe installiert hat (oder gerade plant), kennt die Sympathiefrage des Berliner Blackout-Wochenendes: "Funktioniert dein Haus eigentlich noch, wenn der Strom weg ist?" Die ehrliche Antwort lautet meistens: Nein. Eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe hängt vollständig am Stromnetz, ihr Verdichter zieht 800 bis 4.000 W Dauerlast (je nach Wetter und Modulation), und ohne Strom-Steuerung läuft auch keine Umwälzpumpe und kein Pufferspeicher-Ventil. Drei Stunden ohne Strom in der Übergangszeit sind unkritisch; drei Tage bei minus 10 Grad sind ein Problem.
Dieser Ratgeber zeigt, wie du Wärmepumpe und PV-Speicher so kombinierst, dass deine Heizung im Blackout-Fall überlebt – und welche Backup-Strategien sich für welche Hauskonstellation lohnen. Wenn du den Backup-Begriff selbst noch klären willst, lies parallel unseren Ratgeber zu Notstromfähiger Wechselrichter nachrüsten und den Pillar Notstrom mit PV-Speicher 2026.
Wie viel Strom zieht die Wärmepumpe wirklich?
Realwerte aus Feldmessungen 2024 – 2026, sortiert nach Außentemperatur:
| Außentemperatur | Verdichter-Last (Luft-WP) | Tagesverbrauch EFH 140 m² | Backup-Anforderung |
|---|---|---|---|
| +10 °C (Frühling) | 400 – 800 W | 4 – 8 kWh | 2 – 3 kW Backup-Leistung |
| 0 °C (Übergangszeit) | 1.200 – 2.000 W | 15 – 25 kWh | 3 – 4 kW Backup-Leistung |
| -5 °C (Kalter Winter) | 2.500 – 3.500 W | 35 – 55 kWh | 4 – 5 kW Backup-Leistung |
| -10 °C (Extremwinter) | 3.500 – 4.500 W + E-Heizstab | 60 – 80 kWh | 6 – 8 kW (3-phasig) |
Drei Befunde: Erstens ist Backup bei +10 °C einfach – ein 5 kWh Speicher hält die WP eine Nacht durch. Zweitens ist Backup bei 0 °C die kritische Schwelle, ab der du serious anfangen musst zu rechnen. Drittens ist Backup bei -10 °C praktisch unmöglich ohne 20+ kWh Speicher – hier brauchst du eine andere Strategie.
Drei Strategien für Notstrom an der Wärmepumpe
Strategie 1: Wärmepumpe gezielt aus dem Backup ausnehmen
Pragmatischer Ansatz für die meisten Haushalte: Im Backup-Stromkreis hängen nur Router, Kühlschrank, Beleuchtung, Steuerelektronik. Die Wärmepumpe bleibt aus, dafür hält die Restwärme im Heizkreis und im Pufferspeicher das Haus 12 bis 36 Stunden warm. Vorteil: kleine Backup-Box (1-phasig) reicht, Speicher bleibt klein (5 kWh). Nachteil: bei Ausfall länger als 36 Stunden wird's kalt – Notlösung mit Kaminofen oder Pellet-Ofen einplanen.
Strategie 2: Vollbackup mit 3-phasigem Hybrid-Wechselrichter
Premium-Variante: Du installierst einen 3-phasigen Hybrid-WR (Sungrow SH-RT, Huawei SUN2000-12KTL-M5, GoodWe ET) mit Backup-Ausgang, der die Wärmepumpe weiterversorgt. Pflicht: mindestens 10 kWh LiFePO4-Speicher, besser 15 bis 20 kWh. Die Marken-Tests dazu: Sungrow SBR, Huawei Luna und GoodWe Lynx Home. Vorteil: Heizung läuft weiter. Nachteil: 8.000 bis 15.000 Euro Investition.
Strategie 3: Hybrid-Backup mit nur Umwälzpumpe + Steuerung
Clevere Lowest-Cost-Lösung: Die Wärmepumpe selbst bleibt aus, ABER Umwälzpumpe (60 – 100 W) und Steuerung (10 – 30 W) laufen weiter. Das verteilt die Restwärme im Pufferspeicher, hält die Heizkurven sauber und vermeidet Frostschäden im Heizkreis. Bedarf: 200 bis 400 Wh pro Tag = Mini-Backup mit 2 kWh Speicher reicht. Ideal als Übergang für Häuser, die einen Kaminofen als Notheizung haben.
3-phasiger Hybrid-Wechselrichter: die Pflicht-Hardware
Eine Wärmepumpe läuft fast immer auf Drehstrom (3 Phasen × 230 V = 400 V). Ein 1-phasiger Backup-Ausgang versorgt nur eine Phase – damit läuft der Verdichter nicht an. Empfohlene Geräte 2026:
- Sungrow SH8.0-15.0RT: 8 – 15 kW Hybrid, 3-phasig, Reservebetrieb mit 10 kVA Backup-Leistung. Sehr beliebt für Wärmepumpen-Häuser.
- Huawei SUN2000-8/10/12KTL-M2: Modulares System mit Backup-Box B1 für 3-phasige Inselversorgung.
- GoodWe ET 8 – 15 kW: Hybrid mit eingebautem ATS-Schalter (Automatic Transfer Switch) und Black-Start-Fähigkeit.
- Fronius Symo GEN24 Plus: Mit Full-Backup-Box, allerdings teurer in der Anschaffung.
Vergleichswerte und Stärken/Schwächen der Modelle findest du im großen Hybrid-Wechselrichter Test 2026.
Speicher: 10 kWh sind das Minimum, 20 kWh komfortabel
Lass uns rechnen, wie weit du mit verschiedenen Speichergrößen kommst:
| Speicher | Backup-Dauer bei 0 °C | Backup-Dauer bei -5 °C | Empfehlung für |
|---|---|---|---|
| 5 kWh | 6 – 10 h (WP läuft minimal) | 3 – 5 h | Strategie 1 oder 3 |
| 10 kWh | 12 – 18 h | 6 – 9 h | Strategie 2 mit Sparmodus |
| 15 kWh | 20 – 30 h | 10 – 15 h | Strategie 2, Standardhaus |
| 20 kWh | 30 – 50 h (mit PV-Tag) | 16 – 24 h | Premium, viel Wohnfläche |
Achte beim Speicherkauf auf: Echte Black-Start-Fähigkeit (WR muss aus leerem Speicher mit Morgensonne wieder anlaufen), 100 % Entladetiefe (DoD), zertifizierte Wärmepumpen-Kompatibilität. Detail-Ratgeber dazu: Solarspeicher kaufen 2026.
Wärmepumpe + PV richtig dimensionieren
Damit der ganze Backup-Aufbau überhaupt sinnvoll ist, muss die PV-Anlage zur Wärmepumpe passen. Faustregel: pro 1 kW WP-Nennleistung im Auslegungsfall mindestens 1,5 kWp PV. Beispiel: 10 kW Wärmepumpe = 15 kWp PV-Anlage. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe mit PV richtig dimensionieren.
Wer beides zusammen plant, fährt mit Komplett-Paketen am besten – Details im Pillar PV + Wärmepumpe 2026 Komplettpaket. Auch in der allgemeinen Wärmepumpen-Eigenverbrauchs-Strategie aus Solar und Wärmepumpe – das perfekte Duo spielt Backup eine wachsende Rolle.
Notlösungen für den Worst Case
Trotz aller Vorsorge: Wenn der Blackout drei Tage dauert und der Speicher leer ist, helfen folgende Backup-Lösungen weiter:
- Kaminofen / Pelletofen: wasserführend in Heizkreis eingebunden, läuft strom-arm (10 W Steuerelektronik).
- Notstromaggregat 5 kW Inverter-Diesel: teuer, laut, riecht – aber zuverlässig. Vergleich im Artikel Notstromaggregat oder PV-Speicher?
- Wärmepumpe abschalten + Restwärme nutzen: Bei gut gedämmtem Haus 24 bis 48 Stunden Pufferzeit.
- Kommunale Aufwärm-Punkte: Erfahrung Berlin Januar 2026 – Schulen und Sporthallen wurden Notunterkünfte.
Wann lohnt sich Backup für die Wärmepumpe?
- Bei Neu-Installation Hybrid-WR + Speicher mit Backup-Option ohnehin mitbestellen – Mehrkosten 1.500 bis 3.500 Euro statt 5.000 bis 8.000 Euro für späteren Umbau.
- Bei bestehender Wärmepumpen-Anlage ohne PV: Erst PV nachrüsten, dann Hybrid-WR + Speicher mit Backup.
- Im ländlichen Raum mit häufigen Ausfällen: Strategie 2 (Vollbackup) wirtschaftlich sinnvoll ab 3+ Ausfällen/Jahr über 6 Stunden.
- In stabiler Großstadtlage: Strategie 1 (WP raus, Komfort-Verbraucher rein) meist ausreichend.
Mit Förderung lässt sich der Backup-Aufschlag drücken – Hintergrund in unserem Ratgeber zu BAFA-Förderung 2026 für Solar und Wärmepumpe.
Praxis-Stolperfallen aus 50 Backup-Wärmepumpen-Installationen
- Anlaufstrom unterschätzt: Verdichter zieht beim Anlauf 1,5 – 2 × Nennlast. Ein Backup-WR mit 5 kW Dauerleistung kann unter Umständen den Anlauf nicht packen – Spitzenleistung 8 kW+ ist Pflicht.
- 3-Phasen-Schieflast: Backup-Box gibt manchmal nur 1 Phase zurück, Wärmepumpe braucht aber 3. Bei 3-phasigen WR vorher prüfen, ob alle Phasen im Backup wirklich versorgt werden.
- Vergessener E-Heizstab: Manche Wärmepumpen haben einen 6 – 9 kW E-Heizstab als Bivalenzpunkt-Backup. Im Backup-Mode MUSS dieser abgeschaltet sein, sonst frisst er den Speicher in 30 Minuten leer.
- Speicher zu klein für Wintertage: 5 kWh klingt nach viel, sind aber bei -5 °C nach 3 – 5 Stunden weg. Mindestens 10 kWh für reale Notstromfähigkeit der WP.
- Pufferspeicher nicht eingebunden: Wer einen großen Heiz-Pufferspeicher (500 – 1.000 L) hat, kann ihn bei Sonne hoch beladen und im Blackout 24 – 48 h ohne WP-Lauf nutzen. Voraussetzung: Smart-Steuerung mit Solar-Überschuss-Signal.





