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Solaranlage für Vermieter 2026: Mieterstrom, Steuer, Abrechnung

Solaranlage für Vermieter 2026: Mieterstrom, Steuer, Abrechnung

Auf einen Blick

  • Mit dem Mieterstrom-Modell nach §42a EnWG verkaufen Vermieter PV-Strom direkt an ihre Mieter, meist 10 bis 20 Prozent unter dem Grundversorgertarif.
  • Zusätzlich zum Strompreis erhalten Sie 2026 den Mieterstromzuschlag von etwa 1,76 ct/kWh, garantiert über 20 Jahre.
  • Ab 10 kWp Anlagenleistung oder mehr als 30.000 kWh Stromverkauf pro Jahr greift die Gewerbeanmeldepflicht.
  • Für ein typisches Mehrfamilienhaus mit 6 Parteien und 20 kWp Dachfläche liegt die Amortisation bei 10 bis 12 Jahren.
  • Schnellstart: Welche Solaranlage passt zu meinem Haus? beantworten und passende Komplettanlagen 2026 vergleichen.
Mehrfamilienhaus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach
Foto: Maria-Theodora Andrikopoulou / Pexels

Warum sich Photovoltaik für Vermieter 2026 lohnt

Die Strompreise sind 2026 weiter hoch, gleichzeitig sind PV-Module so günstig wie nie. Wer ein Mehrfamilienhaus, eine vermietete Eigentumswohnung oder ein Wohnobjekt in einer Erbengemeinschaft besitzt, hat eine selten gute Konstellation: Sie produzieren günstigen Solarstrom, verkaufen ihn direkt an die Mieter und bekommen zusätzlich einen staatlich garantierten Mieterstromzuschlag. Anders als beim klassischen Eigenverbrauchs-Modell des Einfamilienhauses fließt der Strom hier nicht über die Steckdose ins eigene Wohnzimmer, sondern über einen separaten Stromliefervertrag an die einzelnen Wohneinheiten.

Der entscheidende Punkt für die Wirtschaftlichkeit ist die Spreizung zwischen Erzeugungskosten und Verkaufspreis. Eine moderne PV-Anlage produziert 2026 Strom für rund 8 bis 11 ct/kWh über die Lebensdauer hinweg, der lokale Grundversorgertarif liegt häufig bei 35 bis 42 ct/kWh. Selbst wenn Sie den Mietern einen Rabatt von 10 Prozent gewähren, bleibt eine satte Marge. Das macht das Mieterstrom-Modell auch in Zeiten sinkender Einspeisevergütung attraktiv. Mehr Hintergrund zum Modell finden Sie in unserem Ratgeber Mieterstrom 2026.

Mieterstrom-Modell §42a EnWG: So funktioniert es

Das Mieterstrom-Gesetz wurde 2017 eingeführt und 2023 deutlich aufgewertet. Es regelt, dass Vermieter (oder beauftragte Dienstleister) Solarstrom direkt an die Mieter ihres Gebäudes liefern dürfen, ohne diesen Strom durch das öffentliche Netz zu schicken. Voraussetzung ist, dass die PV-Anlage auf, an oder in unmittelbarer räumlicher Nähe zum Wohngebäude installiert ist und die Bewohner versorgt. Die Reststrom-Versorgung (nachts, schwache Sonnentage) übernimmt ein klassischer Stromlieferant, den der Vermieter ebenfalls vertraglich anbindet.

Drei Aspekte sind essenziell: Erstens der Mieterstromzuschlag in Höhe von etwa 1,76 ct/kWh (Stand 2026, gestaffelt nach Anlagengröße), den Sie zusätzlich zum Strompreis kassieren. Zweitens die freiwillige Teilnahme der Mieter, die jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln dürfen. Drittens die Pflicht zur Direktabrechnung pro Wohneinheit, was Smart Meter und einen Mess-Stellen-Betreiber erfordert.

Steuerliche Behandlung: Wann Gewerbe Pflicht wird

Der Verkauf von Strom an Dritte ist grundsätzlich eine gewerbliche Tätigkeit. Es gibt jedoch klare Schwellen:

AnlagengrößeSteuerliches ModellPflichten
bis 10 kWp und max. 30.000 kWh/JahrLiebhaberei-Option (auf Antrag)Einnahmen privat, keine USt., kein Gewerbe
10 bis 30 kWpEinnahmen-Überschuss-RechnungGewerbeanmeldung, ggf. Kleinunternehmer-Regelung
über 30 kWp oder mehr als 30.000 kWh/JahrVollgewerbeGewerbe, Umsatzsteuer, evtl. Gewerbesteuer ab 24.500 Euro Gewinn

Die Liebhaberei-Option ist 2022 eingeführt worden und gilt für kleinere Anlagen bis 10 kWp Bruttoleistung sowie maximal 30.000 kWh Stromverkauf pro Jahr. Wer sie nutzt, behandelt Einnahmen und Ausgaben steuerlich als irrelevant - das spart Aufwand, kostet aber den Verlustabzug. Für Mehrfamilienhäuser mit 6 oder mehr Parteien lohnt sich meist eine größere Anlage, dann ist die Liebhaberei keine Option und Sie führen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Wir empfehlen dringend, vor Anlagenkauf einen Steuerberater einzuschalten. Die Investition trägt über 20 Jahre, die steuerliche Konstellation sollte sauber sein.

Abrechnung pro Mietpartei: Smart Meter und Anbieter

Die größte praktische Hürde beim Mieterstrom ist die individuelle Abrechnung. Jede Wohneinheit muss messtechnisch sauber getrennt sein. In der Praxis kommen zwei Wege in Frage:

  • Eigene Direktabrechnung: Sie als Vermieter sind selbst Stromlieferant und rechnen mit jedem Mieter ab. Maximale Marge, maximaler Aufwand - lohnt sich nur für Profis mit mehreren Objekten.
  • Mieterstrom-Dienstleister: Spezialisten wie Polarstern, Solarize oder Einhundert übernehmen Messung, Abrechnung, Reststromlieferung und Kundenservice. Sie bekommen eine Pauschale pro Wohneinheit oder einen Prozentsatz vom Strompreis. Das senkt Ihre Marge, eliminiert aber den Verwaltungsaufwand.

Smart Meter (moderne Messeinrichtungen oder intelligente Messsysteme) sind ab einer Erzeugungsleistung von 7 kWp ohnehin Pflicht. Die Messstellen-Pauschalen liegen 2026 zwischen 20 und 100 Euro pro Wohneinheit und Jahr, abhängig von Verbrauchsmenge und Bundesland.

Beispielrechnung: MFH mit 6 Mietparteien und 20 kWp

Schauen wir uns ein typisches Mehrfamilienhaus an: 6 Wohneinheiten, durchschnittlicher Jahresverbrauch 2.800 kWh pro Wohnung, also 16.800 kWh Gesamtbedarf. Auf dem Dach passen 20 kWp PV-Module, die rund 19.000 kWh pro Jahr erzeugen.

PositionWertErläuterung
Investition Komplettanlage26.000 Euro20 kWp Module, Wechselrichter, Speicher 10 kWh, Montage
Jahresertrag19.000 kWh950 kWh/kWp süddeutscher Standort
Direktverbrauch durch Mieter9.500 kWh50 Prozent, mit Speicher und Lastverschiebung
Mieterstrom-Erlös (30 ct/kWh netto)2.850 Euro/JahrMieter zahlen 10 Prozent unter Grundversorger
Mieterstromzuschlag 1,76 ct/kWh167 Euro/Jahrauf 9.500 kWh Direktlieferung
Einspeisung Rest 9.500 kWh770 Euro/Jahrbei 8,11 ct/kWh Einspeisevergütung
Erlös brutto pro Jahr3.787 EuroSumme ohne Betriebskosten
Betriebskosten500 Euro/JahrVersicherung, Wartung, Messstellen
Nettoerlös3.287 Euro/Jahrvor Steuer
Amortisation7,9 Jahreohne Förderung, mit Speicher

Bei 20 Jahren garantiertem Mieterstromzuschlag und 25 bis 30 Jahren Modul-Lebensdauer ergibt sich eine satte Rendite zwischen 5 und 8 Prozent. Das schlägt jede klassische Immobilien-Verzinsung. Wer auf einen größeren Stromspeicher setzt, kann den Direktverbrauchsanteil auf 65 bis 75 Prozent heben.

Unsere meistgekauften Solarprodukte

Welche Komponenten für Mehrfamilienhäuser?

Im MFH-Segment dominieren andere Komponenten als bei Einfamilien-Hausanlagen. Für die Module empfehlen wir bei 20 kWp etwa 45 Module mit jeweils 440 bis 450 Wp - klassische N-Type-TOPCon-Module von Trina Solar, Jinko oder Ja Solar. Beim Wechselrichter kommen meist 3-phasige Hybridgeräte zum Einsatz, etwa Sungrow SH20RT oder Fronius Symo GEN24. Für den Speicher sind 10 bis 15 kWh sinnvoll, weil sich der Lastgang über 6 Parteien deutlich glättet und kleinere Speicher schnell überlaufen.

Komplettanlagen im Überblick

Einen Komplettüberblick aller Anlagengrößen geben unsere Komplettanlagen 2026.

Solarspeicher im Vergleich

Mieter-Akzeptanz: So überzeugen Sie Ihre Bewohner

Das beste Mieterstrom-Modell scheitert, wenn die Mieter nicht mitmachen. Die Teilnahme ist immer freiwillig und kann auch nachträglich gekündigt werden. Drei Faktoren sind entscheidend:

  1. Preisvorteil klar kommunizieren: Mindestens 10 Prozent unter Grundversorgertarif, schriftliche Vergleichsrechnung mit konkretem Eurobetrag pro Jahr. Mieter rechnen in Euro, nicht in ct/kWh.
  2. Lokales Klimaargument: Der Strom kommt buchstäblich vom eigenen Dach, kein Netzausbau, keine Kohle. Das überzeugt vor allem jüngere Mieter und Familien.
  3. Servicequalität: Klare Abrechnung, schneller Support bei Problemen, transparente Vertragsdauer. Mieterstrom-Verträge laufen meist 1 bis 2 Jahre mit anschließender Verlängerung.

Erfahrungsgemäß stimmen bei guter Information 70 bis 85 Prozent aller Mieter zu. Wer skeptisch ist, kann den Strom später noch dazu buchen - das senkt die Eintrittsschwelle.

Crosslinks für andere Zielgruppen

Vermieter sind nicht die einzige Personengruppe, für die Photovoltaik 2026 attraktiv ist. Wenn Sie zusätzlich selbst im Objekt wohnen oder Familienangehörige versorgen wollen, lohnt ein Blick auf unsere Zielgruppen-Ratgeber:

Empfehlung: Wann lohnt sich Vermieter-PV?

Das Modell lohnt sich klar, wenn Ihr Haus mindestens 4 Wohneinheiten hat, das Dach süd- oder ost-/westorientiert ist und die Mieterstruktur einigermaßen stabil ist (keine Studenten-WG mit jährlichem Wechsel). Bei 2- oder 3-Familienhäusern reicht der Skaleneffekt oft nicht aus, weil Smart-Meter-Pauschalen und Mieterstrom-Dienstleister fixe Kosten haben. Hier ist eine reine Eigenverbrauchsanlage für die eigene Wohnung plus Volleinspeisung des Rests oft die bessere Wahl.

Nicht lohnen tut sich PV mit Mieterstrom, wenn das Dach denkmalgeschützt ist (Genehmigung dauert oft 12 bis 18 Monate), die Statik fragwürdig ist oder die Heizung in den nächsten 5 Jahren auf Strom umgestellt werden soll (dann sollten Sie die Anlage gleich größer planen).

Konkreter erster Schritt: Nutzen Sie unseren Solaranlagen-Wizard, der Sie in 8 Fragen zur passenden Anlagengröße und Komponentenwahl führt - inklusive Hinweis auf Mieterstrom-Tauglichkeit. Anschließend können Sie passende Komplettanlagen vergleichen und Angebote von vorqualifizierten Installateuren einholen.

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