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Mieterstrom-Modell 2026: Anbieter-Vergleich + Mehrfamilienhaus-Guide

Foto: Vladimir Srajber / Pexels

Mieterstrom-Modell 2026: Anbieter-Vergleich + Mehrfamilienhaus-Guide

Redaktion Solaranlage-Tipps
8 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

  • Mieterstrom-Modell: Vermieter (oder Dritter) erzeugt Solarstrom auf dem Dach und liefert ihn direkt an die Mieter im selben Gebäude - ohne Umweg über das öffentliche Netz.
  • Mieterstromzuschlag 2026: Je nach Anlagengröße zwischen 1,80 und 2,67 Cent pro kWh zusätzlich zur Eigenverbrauchsvergütung - gesetzlich gesichert über das EEG 2026.
  • Top-Anbieter: Solarize, Naturstrom, Polarstern und regionale Stadtwerke decken den Markt ab - Pauschal-Service oder Pay-per-kWh-Modelle.
  • Lohnt sich: Ab etwa 6 Wohneinheiten und einer Dachfläche für mindestens 30 kWp wirtschaftlich darstellbar.
  • Mieter-Vorteil: 10 Prozent günstiger als der örtliche Grundversorger-Tarif - gesetzlich vorgeschrieben.
Solaranlage auf einem Mehrfamilienhaus als Mieterstrom-Modell
Foto: Vladimir Srajber / Pexels

Das Mieterstrom-Modell 2026 ist die einzige praxistaugliche Antwort auf eine alte Ungerechtigkeit: Während Eigenheimbesitzer seit Jahren Photovoltaik direkt vom eigenen Dach beziehen und damit massiv Stromkosten sparen, blieben Mieter in Mehrfamilienhäusern außen vor. Mit dem novellierten EEG 2026 und dem überarbeiteten Mieterstromzuschlag wird das Modell erstmals auch für kleinere Mehrfamilienhäuser wirtschaftlich attraktiv. Dieser Leitfaden vergleicht die wichtigsten Mieterstrom-Anbieter, erklärt den rechtlichen Rahmen und zeigt, ab wann sich die Umsetzung für Vermieter wirklich rechnet.

Was ist das Mieterstrom-Modell 2026?

Beim Mieterstrom-Modell installiert der Eigentümer (oder ein beauftragter Dienstleister) eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses. Der erzeugte Strom wird direkt an die Mieter im selben Gebäude geliefert - also ohne den Umweg über das öffentliche Stromnetz. Dadurch entfallen für den vor Ort verbrauchten Strom die Netzentgelte, die Konzessionsabgabe und ein Teil der Stromsteuer. Was die Mieter nicht aus der PV-Anlage abdecken können, wird durch Reststrom aus dem öffentlichen Netz ergänzt.

Wichtig ist die Abgrenzung zur klassischen Eigenverbrauchs-Anlage: Bei einer Volleinspeisung verkauft der Anlagenbetreiber den kompletten Strom an den Netzbetreiber zu einem festen Tarif. Beim Mieterstrom-Modell hingegen wird der Strom aktiv vermarktet - der Anlagenbetreiber wird damit zum Energieversorger im Kleinformat und übernimmt entsprechende Pflichten gegenüber den Mietern.

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Rechtlicher Rahmen: EEG 2026 und Mieterstromgesetz

Die Grundlage bildet das EEG 2026, das den ursprünglichen Mieterstromzuschlag aus dem Mieterstromgesetz von 2017 fortschreibt und in mehreren Punkten verbessert hat. Zentrale Bausteine sind:

  • Räumlicher Zusammenhang: Anlage und Verbraucher müssen sich im selben Gebäude oder im selben Quartier befinden. Quartiers-Mieterstrom ist seit 2023 erlaubt - mehrere Häuser auf einem Grundstück dürfen verknüpft werden.
  • Lieferpflicht: Der Mieterstrom-Anbieter muss eine Vollversorgung garantieren - also auch in der Nacht und bei Schlechtwetter. In der Praxis wird Reststrom über einen Lieferanten zugekauft.
  • Preisdeckel: Der Mieterstrom-Tarif darf maximal 90 Prozent des örtlichen Grundversorger-Tarifs betragen. Damit ist ein finanzieller Vorteil für die Mieter gesetzlich garantiert.
  • Kein Anschluss- und Versorgungszwang: Mieter müssen den Mieterstrom-Tarif nicht abnehmen. Sie können jederzeit zu einem anderen Stromanbieter wechseln - mehr dazu im Artikel Stromanbieter wechseln 2026.
  • AVV-Mieterstrom: Eine spezielle Allgemeine Versorgungsbedingungs-Verordnung regelt die Mindeststandards für Verträge zwischen Anlagenbetreiber und Mietern.

Zuschlag-Höhe und Förderkriterien 2026

Der Mieterstromzuschlag wird zusätzlich zur Vergütung gezahlt, die ein Anlagenbetreiber für nicht direkt verbrauchten Strom erhält. Die Höhe richtet sich nach der installierten Leistung und wird in Cent pro tatsächlich geliefertem Kilowattstunden-Mieterstrom gezahlt.

AnlagengrößeZuschlag 2026FörderdauerBemerkung
bis 10 kWp2,67 ct/kWh20 JahreKleinste Anlagen, oft Einzelhäuser mit Einliegerwohnung
bis 40 kWp2,48 ct/kWh20 JahreStandard für mittlere Mehrfamilienhäuser
bis 100 kWp1,80 ct/kWh20 JahreGroße Wohnanlagen, Quartiers-Lösungen
über 100 kWpkein Zuschlag-Förderung über andere Modelle (Direktvermarktung)

Stand 2026, Werte gemäss EEG 2026. Damit der Zuschlag gezahlt wird, muss die PV-Anlage auf, an oder im Gebäude installiert sein. Freiflächen sind ausgeschlossen. Die maximal förderbare Gesamtleistung pro Betreiber liegt bei 500 kWp pro Jahr - das ist für Einzel-Vermieter praktisch unbegrenzt.

Top-Mieterstrom-Anbieter 2026 im Vergleich

Vermieter müssen Mieterstrom nicht selbst betreiben - mittlerweile gibt es professionelle Full-Service-Dienstleister, die alles vom Anlagenbau über die Abrechnung bis zur Mieterkommunikation übernehmen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Anbieter im deutschen Markt:

AnbieterServicemodellMindestgrösseKosten/Vergütung an VermieterBesonderheit
SolarizeSoftware + Abrechnung als SaaSab 6 Parteienca. 9-12 Euro pro Wohneinheit/MonatWhite-Label, Vermieter bleibt Betreiber
NaturstromFull-Service inkl. Anlagenbauab 10 ParteienPachtmodell, Vermieter erhält DachpachtBundesweit aktiv, Ökostrom-Image
PolarsternFull-Service Mieterstrom-Komplettab 8 ParteienPachtmodell oder BeteiligungPionier-Anbieter, starkes Marketing
Stadtwerk-ModelleRegional, oft Quartiers-Lösungenvariabelregional verschiedenLokale Verankerung, kurze Wege
EnergiegenossenschaftenBürgerbeteiligung, Pacht-Modellab 15 ParteienDachpacht + BeteiligungsoptionIdeal für ESG-orientierte Vermieter

Stand 2026. Konditionen variieren je nach Region und Anlagengrösse.

Solarize ist insbesondere für Vermieter interessant, die selbst Anlagenbetreiber bleiben und nur die Verwaltung auslagern wollen. Naturstrom und Polarstern dagegen übernehmen das wirtschaftliche Risiko komplett - der Vermieter erhält dafür lediglich eine Dachpacht, profitiert aber nicht direkt vom Stromverkauf.

Komplettanlagen im Überblick

Wer eine grössere Anlage in Eigenregie umsetzen möchte, findet die passenden Komponenten in unserer Komplettanlagen-Kategorie. Für die Kombination aus Mieterstrom und Pufferspeicher empfehlen sich Systeme aus der Speicher-Kategorie, die wir weiter unten genauer beleuchten.

Mieterstrom umsetzen: Schritt-für-Schritt für Vermieter

Wer als Eigentümer eines Mehrfamilienhauses einsteigen möchte, sollte folgenden Ablauf einhalten - das spart Zeit und Geld:

  1. Dachgutachten und PV-Auslegung: Statik, Ausrichtung, Verschattung prüfen. Eine ehrliche Einschätzung gibt unser PV-Wizard.
  2. Wirtschaftlichkeit prüfen: Anzahl Wohneinheiten, durchschnittlicher Stromverbrauch pro Haushalt (2.500-3.500 kWh/Jahr), Annahmen zur Abnahmequote (in der Praxis melden sich 50-70 Prozent der Mieter an).
  3. Anbieter auswählen: Selbstbetrieb mit SaaS-Lösung wie Solarize oder Full-Service-Pacht wie Naturstrom / Polarstern. Drei Angebote vergleichen.
  4. Mess- und Zählerkonzept klären: Jeder Mieter braucht einen geeichten Zähler. Das Smart-Meter-Rollout ab 7.000 kWh Jahresverbrauch ist Pflicht - bei Mieterstrom-Anlagen mit Erzeugung ohnehin Standard.
  5. Mieterkommunikation: Anmeldung ist freiwillig. Erfolgreiche Vermieter erreichen 60-80 Prozent Quote, wenn der Preisvorteil klar kommuniziert wird.
  6. Förderanträge: Mieterstromzuschlag wird automatisch über den Netzbetreiber abgewickelt. Anlage in Marktstammdatenregister eintragen, Förderbescheid einholen, sonstige Förderprogramme über den Förder-Finder prüfen.
  7. Inbetriebnahme und Abrechnung: Erste Jahresabrechnung 12 Monate nach Inbetriebnahme. Bilanzkreis-Management übernimmt der Dienstleister.

Wer eine reine Vermieter-Solaranlage ohne Mieterstrom-Modell plant, findet alle Details im separaten Guide Solaranlage für Vermieter 2026.

Mieter-Sicht: Vor- und Nachteile von Mieterstrom-Tarifen

Für Mieter ist Mieterstrom in fast allen Fällen ein gutes Angebot - ein paar Punkte sollten aber bekannt sein:

  • Vorteil 1 - Preisgarantie: Mieterstrom darf maximal 90 Prozent des Grundversorgertarifs kosten. Bei einem typischen Grundversorgertarif von 38 ct/kWh in 2026 zahlen Mieter höchstens 34,2 ct/kWh - oft sogar weniger.
  • Vorteil 2 - Echter Ökostrom: Die Energie stammt nachweislich vom Dach des eigenen Hauses. Keine Greenwashing-Etiketten.
  • Vorteil 3 - Keine Anmeldung beim Netzbetreiber nötig: Mieterstrom-Anbieter übernimmt das komplett.
  • Nachteil 1 - Reststromtarif: Der Reststrom (für Nacht/Winter) wird vom Mieterstrom-Anbieter bezogen und liegt mitunter über günstigen Discount-Tarifen. Wer extrem preisoptimieren will, fährt mit einem Reststrom-Vergleich oder Discounter besser.
  • Nachteil 2 - Wechselhürde: Bei Auszug muss der Mieterstrom-Vertrag gekündigt werden - das ist regulär möglich, aber ein Extra-Schritt.

Mieterstrom vs. Vollversorgung vs. Stadtwerk-Tarif

Aus Mieter-Sicht stehen drei Tarif-Welten zur Wahl. Die folgende Übersicht zeigt die Unterschiede:

KriteriumMieterstrom-TarifKlassischer GrundversorgerDiscount-Stromanbieter
Preis 2026 (Durchschnitt)28-34 ct/kWh36-42 ct/kWh26-32 ct/kWh
Ökostrom-Anteil50-80 % Solar vor Ortvariabelvariabel (Zertifikat-Modelle)
Preisstabilitäthoch (gesetzlicher Deckel)mittelniedrig (Preisanpassungen)
Vertragslaufzeit1-2 Jahre, dann monatlichjederzeit kündbaroft 12-24 Monate
Wechselaufwandgeringgeringgering

In der Realität ist der Mieterstrom-Tarif für die meisten Haushalte die solideste Mittellösung: günstiger als der Grundversorger, fast so gut wie ein gut gewählter Discounter - aber stabiler und mit echtem Ökostrom-Bezug.

Solarspeicher im Vergleich

Wer als Vermieter zusätzlich einen Batteriespeicher integriert, erhöht den Direktverbrauchs-Anteil im Gebäude oft von 35 auf 55 Prozent. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit deutlich - die wichtigsten Produkte stehen in unserer Speicher-Kategorie zum Vergleich.

Wann lohnt sich Mieterstrom - wann nicht

Mieterstrom lohnt sich, wenn:

  • das Mehrfamilienhaus mindestens 6 Wohneinheiten umfasst
  • die Dachfläche für mindestens 30 kWp PV-Leistung ausreicht
  • der Vermieter langfristig (15+ Jahre) plant - kurzfristiger Verkauf macht das Modell wirtschaftlich problematisch
  • ein Full-Service-Dienstleister oder eine SaaS-Lösung verwendet wird (Selbstbetrieb durch klassische Vermieter scheitert meist am Verwaltungsaufwand)
  • die Region einen hohen Grundversorger-Tarif hat - in Bayern oder NRW deutlich attraktiver als in günstigen Stromregionen

Mieterstrom lohnt sich nicht, wenn:

  • weniger als 4 Wohneinheiten vorhanden sind - dann reicht eine klassische Eigenverbrauchsanlage oder ein einfaches Mieter-Pacht-Modell
  • das Dach stark verschattet oder ungünstig ausgerichtet ist (Nord-Süd-First, weniger als 5 kWp möglich)
  • der Mietendurchschnitt sehr niedrig ist und die Mietergruppe sehr wechselhaft - dann sind die Anmelde-Quoten zu gering
  • geplant ist, das Gebäude innerhalb von 5-10 Jahren zu verkaufen

Häufige Fragen

Was unterscheidet Mieterstrom vom Mieterstromzuschlag-Modell?

Mieterstrom ist das Gesamtmodell - PV-Anlage auf dem Dach plus Direktlieferung an die Mieter. Der Mieterstromzuschlag ist nur eine Förderkomponente innerhalb dieses Modells: Er wird zusätzlich gezahlt, sobald die Anlage tatsächlich Strom an Mieter liefert. Ohne aktive Lieferung kein Zuschlag - die Anlage allein reicht nicht.

Wie hoch ist der Mieterstrom-Zuschlag 2026?

Der Zuschlag liegt 2026 je nach Anlagengrösse zwischen 1,80 und 2,67 Cent pro kWh. Anlagen bis 10 kWp erhalten den höchsten Satz (2,67 ct), Anlagen zwischen 10 und 40 kWp 2,48 ct und Anlagen bis 100 kWp 1,80 ct. Anlagen über 100 kWp erhalten keinen Mieterstromzuschlag, können aber per Direktvermarktung wirtschaftlich betrieben werden.

Kann ich als Mieter den Anbieter eines Mieterstrom-Tarifs frei wählen?

Ja. Es gibt keinen Anschluss- und Versorgungszwang. Mieter können jederzeit zu einem anderen Stromanbieter wechseln - der Mieterstrom-Tarif des Vermieters ist nur ein Angebot. Wer wechselt, bezieht den Strom ganz normal über den eigenen Liefervertrag, die PV-Anlage des Hauses kann dann diesen Strom nicht mehr direkt liefern.

Lohnt sich Mieterstrom für kleine Mehrfamilienhäuser unter 10 Parteien?

Grundsätzlich ja - ab etwa 6 Wohneinheiten ist die Wirtschaftlichkeit darstellbar, wenn ein professioneller Full-Service- oder SaaS-Anbieter genutzt wird. Bei 3 bis 5 Parteien wird der administrative Aufwand pro Wohneinheit aber überproportional groß. In diesen Fällen ist häufig eine klassische Eigenverbrauchsanlage mit Umlage über die Nebenkosten die einfachere Variante.

Fazit: Das Mieterstrom-Modell 2026 ist für Vermieter mittlerer und grösserer Mehrfamilienhäuser eine wirtschaftlich attraktive und politisch geförderte Möglichkeit, ihre Dachfläche zu nutzen und gleichzeitig ihren Mietern einen echten Mehrwert zu bieten. Mit professionellen Anbietern wie Solarize, Naturstrom und Polarstern ist der Einstieg heute deutlich einfacher als noch vor wenigen Jahren - die Hürden liegen primär in der Planung, nicht mehr in der Technik. Wer plant, sollte mit der Auslegung beginnen und früh einen Anbieter-Vergleich einholen.

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